Die Big Band Schwäbisch Hall spielte in der Hospitalkirche

24.12.2017 15:05 von jazz (Kommentare: 0)

 

Bigband Schwäbisch Hall - Foto: Hans Kumpf 

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Ein Weihnachtskonzert der swingenden Art

 

„A Night Before Christmas“ nannte die Big Band Schwäbisch Hall diesmal ihr traditionelles Festkonzert, das sie geradezu am 23. Dezember in der Hospitalkirche durchführte. Schon eine volle Stunde vor Veranstaltungsbeginn sicherten sich etliche Jazzfreunde begehrte Sitzplätze – aus gutem Grund, denn während der Darbietung lehnten viele aufmerksame Zuhörer an den Wänden, saßen auf der engen Treppe zur Empore oder standen geduldig im Vorraum. Derartige Unbequemlichkeiten gerieten aber durch die kurzweilige Musik schnell in Vergessenheit.

  

Es begann ganz profan im prachtvollen Power-House-Stil von Stan Kenton. Wie der Vater, so der Sohn: Auch der verstorbene Vater von Tobias Scheibeck, also Armin Scheibeck, schätzte schon diesen progressiven Jazz des legendären amerikanischen Band-Leaders. Nach dem spanischen „Malaguena“ folgte süffig „A Little Minor Booze“. Mit jeweils zwei angerockten Titeln waren noch der Gitarrist Pat Metheny („Heartland“, „Every Summer Night“) und der Pianist Joe Zawinul (“Birdland“, „Mercy, Mercy, Mercy“) vertreten. Bei den rockigen Nummern griff der bewährte Kontrabassist Hansi Speidel zur Bassgitarre, für den adäquaten Rhythmus sorgten zudem (der im letzten Jahr durch Krankheit verhinderte) Gitarrist Stanley McKee, der zuverlässige Drummer Hendrik Küfer und der Keyboarder Matthias Egner.

  

In den 1980er Jahren wurden für die jeweils am zweiten Mai-Sonntag im Großen SDR-Sendesaal der Stuttgarter Villa Berg abgehaltenen Matineen des Tanzorchesters Erwin Lehn jazzige Auftragskompositionen, die auf deutschen Volksliedern basierten, erteilt. Zum Zuge kamen hier vor allem einheimische Arrangeure. Der Amerikaner Dave Rivello hatte sich unabhängig von dieser Sitte einst über „Du, Du liegst mir am Herzen“ hergemacht. Das vertraute Liebeslied aus deutschen Landen swingte nunmehr zierlich nett, während der Saxophon-Satz ziemlich schräge Harmonien zu intonieren hatte. Mit einem längeren Solo brachte Matthias Egner sich gewandt auf dem E-Piano ein.

  

Zuvor ein anderer deutschsprachiger Titel: „An hellen Tagen“. Diese choralartige Komposition stammt von dem Tübinger Rainer Tempel, der mittlerweile das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg anführt und eine Professur an der Musikhochschule in Stuttgart innehat.

 

„Wir kommen langsam in den weihnachtlichen Teil“ erklärte alsdann Tobias Scheibeck, der an dem Abend auch solistisch zur Posaune gegriffen und einen butterweichen Sound erzeugt hatte. Im Arrangement von Mike Lewis kam der „Sleigh Ride“ beschwingt in Fahrt. Mit nicht weniger vorwärtstreibendem „Drive“ versah in seiner Bearbeitung Jack Cooper das „Winter Wonderland“. Bei „A Big Band Christmas II“ von Carl Strommen handelt sich um ein munteres Medley mit etlichen Takt- und Tempowechseln und „Santa Claus Is Coming To Town“ als Angelpunkt.

  

Foto: Hans Kumpf

 

Ein imposanter Konzertabend mit insgesamt 14 Stücken. Alle Jahre wieder als reguläre Zugabe: Der schmachtende ABBA-Hit „Thank You For The Music“, für Big Band eingerichtet von Torsten Maaß. Mit einem (singenden) Spezialgast wartete die Big Band Schwäbisch Hall heuer nicht auf. Aber solistische Improvisationseinlagen quer durch die Reihen gewinnen bei dieser Großformation immer mehr an Bedeutung – ein erfreulicher Aspekt. So profilierten sich vor allem wieder vorne an der Bühnenrampe am Solistenmikrophon der fetzende Trompeter Thomas Wolpert, Achim Lutz auf dem grazilen Sopransaxophon und Stefan Scheuermann kräftig mit dem Tenorsax.

   

Bestens integriert verstärkte bei diesem Auftritt der in Asperg bei Ludwigsburg wohnende Stefan Koschitzki die Saxophongruppe. Der versierte Notist fungierte aushilfsweise als 1. Altist. Auf wichtige Erfahrungen kann der Profi dank seiner Tätigkeit sowohl im Landesjugendjazzorchester als auch momentan in der SWR Big Band zurückgreifen. Und ein junger „Praktikant“, welcher sich noch nicht an einen individuellen Beitrag wagte, wirkte mit, nämlich Joel Appler, der vormals bei Constanze Haas an der Haller Musikschule erfolgreich Saxophonunterricht genießen durfte.

 

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